拍品 23
  • 23

Giovanni Giacometti

估價
300,000 - 500,000 CHF
招標截止

描述

  • Giovanni Giacometti
  • Capolago
  • Unten links monogrammiert
  • Öl auf Leinwand
  • 38.5 x 46.5 cm
Gemalt um 1906/08.

來源

Galerie am Stadelhofen, Zürich (Nachlass Giovanni Giacometti)

展覽

Zürich, Galerie am Stadelhofen, Giovanni Giacometti, 1962/63, Nr. 56 (Häusergruppe in Maloja, 1909)

出版

Elisabeth Esther Köhler, Giovanni Giacometti 1868-1933. Leben und Werk, Zürich 1969, S. 70, Nr. 103, Abb. 24 (datiert um 1907/08),
Paul Müller/Viola Radlach, Giovanni Giacometti, 1868-1933, Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1977, Band II-1, S. 238, Nr. 1906.18, und S. 239, abgebildet

Condition

Not relined. Canvas slightly loose. Drying craquelure in the houses' pediments. No retouchings visible under uv-light. Very good condition.
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拍品資料及來源

Das Sujet der Häuserreihe von Capolago bei Maloja[1] mit ihren Spiegelungen im Silsersee faszinierte Giovanni Giacometti. Um 1907 malte er vier Fassungen davon. Eine der beiden hochrechteckigen Varianten befindet sich im Bündner Kunstmuseum in Chur,[2] eine zweite querformatige, weitgehend identisch in Komposition wie Farbgebung und mit denselben Massen wie die vorliegende, wurde 1919 von Arthur und Hedy Hahnloser erworben, die in der Villa Flora in Winterthur eine der ersten bedeutenden Sammlungen der Moderne in der Schweiz aufbauten. Im Sommer 1907 hatte das Paar die Bekanntschaft Giacomettis gemacht, den Menschen wie seine Malerei schätzen gelernt und mehrere Bilder von ihm gekauft. Zu dieser Zeit wurden weitere wichtige Sammler auf den Künstler aufmerksam, nachdem er noch 1906 seine miserable finanzielle Lage in Briefen an den Freund Cuno Amiet beklagt hatte. Der Zürcher Eisenwarenhändler Richard Kisling gehörte dazu wie auch der Winterthurer Textilindustrielle Richard Bühler. Anerkennung erhielt er auch von seinen Malerkollegen der Avantgarde, in der Schweiz wie im Ausland; die Künstler der "Brücke" baten ihn um seine Teilnahme an ihren Ausstellungen.

Keine der "Capolago"-Fassungen ist datiert; einen Hinweis gibt uns indessen der Katalog der "Ersten Raumkunst-Ausstellung" im Kunstgewerbemuseum in Zürich im Herbst 1908, in dem das Werk der Sammlung Hahnloser aufgeführt ist; folglich hat Giacometti diese Landschaftsserie spätestens im vorhergehenden Sommer gemalt.[3]

Das Geschehen im See nimmt zwei Drittel der Bildfläche ein und wird zum Hauptakteur des Gemäldes; das visuelle Erlebnis des optisch-physikalischen Phänomens der verschwimmenden Spiegelungen im bewegten Wasser reizte ihn zur Darstellung, wie ihn unterschiedliche atmosphärische, witterungsbedingte Erscheinungen immer wieder herausforderten, seien es Regen-, Nebel-, Gewitter- oder Föhnstimmungen. Gerade in dieser Schaffensphase, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts, wird Giacometti das Motiv der Reflexe im Silsersee besonders inspiriert haben, da er im divisionistischen Pinselduktus, den er in der Auseinandersetzung mit Werken Segantinis und van Goghs weiterentwickelt hatte, ein optimales Mittel zu ihrer Darstellung gefunden hatte.  

Siehe auch Textbeitrag zu Los 24.

Wir danken Viola Radlach, Co-Autorin Werkkataloge Giovanni Giacometti und Cuno Amiet, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA, für den Textbeitrag.

[1] Bei dem ersten Haus links in der unteren Reihe handelt es sich um das Sommerhaus, das Annetta Giacometti 1909 von einem Onkel geerbt hat, in dem sich die Familie jedoch schon in den Jahren vorher jeweils im Sommer oder auch im Winter einige Wochen aufhielt.

[2] Eine zweite hochrechteckige, uns bis anhin noch unbekannte Fassung von „Capolago“ ist uns durch eine Skizze des Künstlers in seinem Verkaufsbuch, dem Registro dei quadri, überliefert, siehe Paul Müller/Viola Radlach, „Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde“, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft (Œuvrekataloge Schweizer Künstler 16/II-2), Zürich 1997, Nr. 1907.44.

[3] Die Datierung der vorliegenden Fassung lässt sich nicht durch eine Ausstellung belegen; in der Frische von Pinselauftrag und Kolorit ist sie jedoch der Variante in der Hahnloser-Sammlung ebenbürtig, so dass die Vermutung, es könne sich dabei um eine spätere Wiederaufnahme des Themas, eine Replik des Künstlers handeln, eher unwahrscheinlich ist.