Lot 30
  • 30

Giovanni Giacometti

Estimate
300,000 - 500,000 CHF
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Description

  • Giovanni Giacometti
  • WINTERLANDSCHAFT BEI MALOJA, 1927WINTERLANDSCAPE NEAR MALOJA, 1927
  • Unten rechts monogrammiert; rückseitig signiert, datiert und bezeichnet Maloja
  • Öl auf Leinwand
  • 60 x 72 cm
Dieses Gemälde ist im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA unter der Archivnummer 130117 0009 inventarisiert.

Provenance

Galerie Aktuaryus, Zürich
Europäischer Privatbesitz

Condition

Not relined. Faint craquelure with miniscule paint loss to the left of the building. No retouchings visible under uv-light. Good condition.
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Catalogue Note

Von der unbändigen "Freude“ seiner "Seele über den ersten Kuss der Sonne“ in Maloja nach drei langen, grauen Monaten im sonnenlosen Stampa berichtete Giovanni Giacometti seinem Freund Cuno Amiet in Solothurn am 27. Januar 1892.[1]Faszinierend sei das Schauspiel, das sich seinen Augen biete, berauschend das Licht der Sonne, die Schatten in den Farben des Himmels und die verschiedenen regenbogenfarbigen Reflexe im Schnee.
Diese Schilderung des 23-jährigen liest sich wie eine Beschreibung der Winterlandschaft bei Maloja, die Giacometti 35 Jahre später, auf dem Höhepunkt seiner Karriere malte. Nach grossen Ausstellungserfolgen in Zürich, Bern und Basel, öffentlichen Wandbildaufträgen, der Wahl in die Eidgenössische Kunstkommission und die Eidgenössische Kommission der Gottfried Keller-Stiftung war er – ohne dies je angestrebt zu haben – neben Cuno Amiet zum offiziellen Repräsentanten der Schweizer Kunst geworden. Der Vorsteher des Departements des Innern gratulierte ihm zu seinem 60. Geburtstag am 28. März 1928.
Doch all diesen Ehrungen zum Trotz hatte Giacomettis Malweise nichts von ihrer Unmittelbarkeit und Frische verloren. Für die Winterlandschaft von 1927 wählte er am späten Vormittag einen Standort oberhalb von Maloja-Capolago, seinem zweiten Wohnort neben Stampa, wo er sich ab 1909 mit seiner Familie häufig während des Winters und im Hochsommer aufhielt. Vor ihm lagen die obersten Häuser von Capolago, das damals nur wenige Einwohner zählte. Hinter den Häusern senkt sich das Gelände in die Ebene des Silsersees, an der gegenüberliegenden Talseite erhebt sich der Corvatsch inmitten der anderen Berge der Berninagruppe. Das tiefe Blau des Himmels findet sich wieder in den Schattenpartien der jenseitigen Anhöhen, den Stirnseiten der Hausdächer und in den schattigen Mulden des Vordergrundes. Der Schnee leuchtet in zahllosen Pastelltönen; schon 1892 verfügte Giacometti über die Kenntnis von den Spektralfarben, in die sich das weisse Licht zerlegen lässt. Wiederholt bezeichnete er es denn auch als sein vornehmliches künstlerisches Ziel, “das Wesen des farbigen Lichtes“[2] zu erkunden.  
Davon zeugt diese bis anhin unbekannte, dem Publikum erst anlässlich dieser Auktion zugängliche Schneelandschaft aufs Schönste. Mit virtuoser Nonchalance hantierte Giacometti den Pinsel, begnügte sich oft mit Andeutungen, pastose Partien stehen neben unbedeckten, die Grundierung offenlegenden Teilen der Leinwand. Wenige grüne und rote Tupfen suggerieren Fenster- und Türöffnungen in den Häusern – menschliches Leben, Wärme und Intimität in diesem grandiosen Naturschauspiel.

Wir danken Viola Radlach, Co-Autorin Werkkatalog Cuno Amiet, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA, für den Textbeitrag.

[1] Giovanni Giacometti aus Stampa an Cuno Amiet in Solothurn, 27.1.1892, in: Cuno Amiet – Giovanni Giacometti. Briefwechsel, hrsg. von Viola Radlach, Zürich: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft/Scheidegger & Spiess, 2000,  Brief 47.
[2] Giovanni Giacometti aus Stampa an Richard Bühler in Winterthur, 16.7.1911, in: Giovanni Giacometti. Briefwechsel mit seinen Eltern, Freunden und Sammlern, Zürich: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft/Scheidegger & Spiess, 2003,  Brief 497.