ZH1206

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Lot 32
  • 32

Cuno Amiet

Estimate
300,000 - 500,000 CHF
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Description

  • Cuno Amiet
  • KINDERTOILETTE, 1910CHILD AT THE MORNING TOILETTE, 1910
  • Unten rechts monogrammiert und datiert
  • Öl auf Leinwand
  • 60.5 x 55.5 cm
Dieses Gemälde ist im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA unter der Archivnummer 51 122 inventarisiert.

Exhibited

Zürich, Zürcher Kunstgesellschaft, Ausstellung zur Eröffnung des Kunsthauses, 1910, Nr. 321
Rom, Esposizione Internazionale di Roma, 1911, Nr. 4
Köln, Städtische Ausstellungshalle am Aachener Tor, Internationale Kunstausstellung des Sonderbundes westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln, 1912, (ausgestellt ausser Katalog)
Bern, Kunstmuseum, Ausstellung Bernischer Künstler, 1912, Nr. 2
Zürich, Kunsthaus, Januarausstellung, 1914, Nr. 50
Genève, Galerie Moos, Exposition Cuno Amiet, James Vibert, 1914, Nr. 25
Bern, Kunstmuseum, Cuno Amiet, 1948, Nr. 205

Literature

Mission Moderne, Die Jahrhundertschau des Sonderbundes, Ausstellungskatalog, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln 2012, S. 574, abgebildet (in Farbe)

Condition

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Catalogue Note

Cuno Amiet malte seine Frau Anna und seine Adoptivtochter Greti 1910 in einer intimen Szene im häuslichen Rahmen. Anna Amiet ist sitzend im mondänen violetten Gewand dargestellt. Sie bürstet das Haar des zehnjährigen Mädchens.

In Ihrer Überschaubarkeit unterstreicht die Komposition den privaten Charakter des Bildes. Etwas rechts von der Mitte ist Greti in aufrechter Haltung als Rückenakt wiedergegeben. Ein ausgleichendes Gegengewicht zur Figur Gretis bilden die geschwungenen Formen der Silhouette Annas, der Stuhllehne und des im Hintergrund angedeuteten Treppenhauses.

Unter dem Titel "Toilette" hat Cuno Amiet zwischen 1908 und 1909 ein ähnliches Thema in einer Reihe von Ölstudien und Gemälden in einer alternativen formalen Komposition dargestellt (Fig. 1).

Das vorliegende Bild zeigt das Schaffen Cuno Amiets auf der Höhe seines Könnens. Die Farbwahl ist kühn. Effektvoll kontrastiert das violette Kleid Anna Amiets mit dem hellen Inkarnat ihrer Adoptivtochter, das mit verschiedenen Farben schraffiert und mit breiten hellroten Strichen versetzt ist. Leuchtende Akzente setzt Amiet im Rot des Kissens in Annas Rücken, das er gegen das helle Türkis der Haarbürste absetzt. Die einzelnen Bildelemente sind nicht nur farblich voneinander abgehoben, sondern zudem mit dunkler Kontur definiert. Das breite koloristische Spektrum des Gemäldes korrespondiert mit dem offenen Pinselduktus. Die dynamische und freie Faktur ist das Ergebnis der Einflüsse, die Cuno Amiet während seiner bisherigen Laufbahn verarbeitet hat. Zu nennen ist der für seine künstlerische Entwicklung wichtige Aufenthalt im bretonischen Pont-Aven 1892/1893, wo er sich in einem Kreis von jungen Malern mit den malerischen Prinzipien von Paul Gauguin beschäftigte. Die expressive Malweise war durch seine intensive Auseinandersetzung mit den Werken Vincent van Goghs und den Kontakt zu den Malern der deutschen Künstlergruppe "Brücke" befördert worden, deren Mitglied er seit September 1906 war.

Wie der Künstler in seinem Verzeichnis der verkauften Bilder notierte, sandte er die "Kindertoilette" 1912 an die Ausstellung des Sonderbundes in Köln. Cuno Amiet war zum Zeitpunkt der Sonderbundausstellung als führender moderner Künstler anerkannt und amtete als Schweizer Delegierter der Ausstellung in Köln, in deren Mittelpunkt das Werk von van Gogh stand, der mit mehr als hundert Gemälden vertreten war. Der Zürcher Sammler Richard Kisling hatte Amiet sein 1907 erworbenes Gemälde "Zwei Kinder" von van Gogh zu Studienzwecken überlassen. Amiet hatte zwei Kopien dieses Werkes angefertigt (Fig. 2), von denen eine Fassung in Cuno Amiets Gemälde "Zwei Mädchenakte" von 1910 im Hintergrund des dargestellten Raumes abgebildet ist (Fig. 3). Links davon ist das vorliegende Werk "Kindertoilette" zu sehen.

Wir danken Frau Larissa Ullmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Werkkatalog Cuno Amiet, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA, für den Textbeitrag.