Lot 59
  • 59

Ferdinand Hodler 1853 - 1918

Estimate
4,000,000 - 6,000,000 CHF
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Description

  • Ferdinand Hodler
  • GENFERSEE VON CHEXBRES AUSLAKE GENEVA, VIEW FROM CHEXBRES
  • Unten rechts signiert
  • Öl auf Leinwand
  • 71 x 90 cm

Provenance

Eduard Schnapper, Frankfurt am Main (1912-13)
Privatbesitz, 1939-1983
Privatbesitz Belgien, seit 1998

Exhibited

Frankfurt am Main, Frankfurter Kunstverein, Kunstsammlung des Herrn Dr. E.S. Frankfurt a .M., Gemälde älterer Meister, Gemälde erster moderner Meister, Wertvolle Francofurtensien u. neuere Graphik, Versteigerung zufolge testamentarischer Bestimmung Dienstag 21. April 1914, Öffentliche Ausstellung in den Sälen des Frankfurter Kunstvereins, 1914, Nr. 20 (Der Genfer See)

Literature

C[arl] A[lbert] Loosli, Ferdinand Hodler, Leben, Werk und Nachlass, Bern 1921-24, Bd. 3, S. 128 (Genfersee von Chexbres aus an einem klaren Herbsttag, 1908)
Evtl. C[arl] A[lbert] Loosli, „Generalkatalog", in: C[arl] A[lbert] Loosli, Ferdinand Hodler, Leben, Werk und Nachlass, Bern 1921-24, Band 4, S. 52-161, Nr. 826 (Genfersee von Chexbres aus an einem klaren Herbsttag, 1908)
Evtl. „Landschaftenkatalog", in: Werner Y. Müller, Die Kunst Ferdinand Hodlers, Gesamtdarstellun, Band, Reife und Spätwerke 1895-1918, Zürich 1941, S. 379-469, Nr. 836 (Genfersee von Chexbres aus an einem klaren Herbsttag, 1908)
Jura Brüschweiler, Ferdinand Hodler als Schüler von Ferdinand Sommer, Ausstellungskatalog, Kunstsammlung Steffisburg/Museo civico di belle arti, Lugano/ Fondation Pierre Gianada, Martigny, Thun 1984, S. 145, Anm. 99 (Genfersee von Chexbres), S. 150
Jura Brüschweiler, Ferdinand Hodler, Sammlung Steiner, Zürich 1997, S. 211 (Genfersee von Chexbres, 1911), S. 145, Anm. 99
Oskar Bätschmann, Paul Müller, Ferdinand Hodler, Catalogue raisonné der Gemälde, Bd. 1, Zürich 2008, Nr. 428 [SIK 17210].

Catalogue Note

Gemalt um 1911.

Wie der Thunersee zählten der Genfersee und seine Umgebung zu den bevorzugten Landschaftsmotiven von Ferdinand Hodler. Als Standort für seine Darstellungen wählte er häufig die Gegend zwischen Montreux und Lausanne. Die dreizehn Versionen vom Genfersee von Chexbres aus mit Blick auf die Bucht von Cully und die Savoyer Alpen entstanden zwischen 1895 und 1911. Hodler malte die Landschaftsausschnitte, ähnlich wie die Darstellungen der Stockhornkette, zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. 1917 griff er das Motiv erneut auf, wobei er seinen Standort etwas oberhalb von Chexbres nach Caux verlagerte. Die Serie der Chexbres-Landschaften beginnt mit dem heute im Kunsthaus Zürich aufbewahrten Wettbewerbsbild für den Concours Calame von 1895, der als Thema Un lac Suisse vorgab. Genfersee am Abend von Chexbres aus zeigt den Blick auf den See und den Turm von Marsens mit den umliegenden Häusern von einem erhöhten Standort aus. Hodler hatte den Tiefblick auf ein Gewässer erstmals 1887/1888 für die Reihe der Thuner- und Brienzersee-Landschaften gewählt. Der erhöhte Betrachterstandpunkt ermöglichte ihm eine panoramaartige Ansicht und die Wahrnehmung von Weiträumigkeit. Dafür schien ihm die grossflächige Genferseelandschaft, die er als „planetarische Landschaft" bezeichnete, besonders geeignet. Hodler steigerte den Effekt der räumlichen Ausdehnung durch die Verwendung von Blau und durch die Ovalform, die sich aus der Schliessung mit dem segmentbogenförmigen Wiesenbord und den geschwungenen Wolkenformationen oder wie hier einem gewölbten Himmelsstreifen ergibt. Als weiteres Kompositionsmuster nutzte er das parallelistische Ordnungsprinzip, das er mit dem Wechsel von Blau und Gelb oberhalb der Horizontlinie veranschaulichte. Gegenüber früheren Versionen verzichtete Hodler auf Staffagen. Diese Tendenz zur Reduktion, die er in zahlreichen Skizzen und Studien erprobte, ist charakteristisch für die Entwicklung der Chexbres-Werkreihe. Die skizzenhafte Ausführung der Bäume, die er beim vorliegenden Gemälde in einer späteren Phase hinzufügte, sowie der stellenweise dünne Farbauftrag stehen im Einklang mit der Minimalisierung der bildnerischen Mittel. Ebenso liegt die Qualität der Darstellung mehr in der Farbgebung als im Zeichnerischen. Farbliche Nuancen bestehen in den weichen Übergängen der lila-blauen Skala, die das gebrochene Sonnenlicht auf der Wasseroberfläche erzeugt. Die rotbräunlich gemalten Blätter der Bäume und das mit feinen Tupfern wiedergegebene Laub auf der Wiese lassen an eine Entstehung des Bildes im Spätherbst denken.

Wir danken Dr. Monika Brunner, Co-Autorin Werkkatalog Ferdinand Hodler vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA, Zürich, für den Textbeitrag.