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Giovanni Giacometti 1868-1933
Description
- Giovanni Giacometti
- WINTER BEI CAPOLAGO, 1930 WINTER AT CAPOLAGO, 1930
Unten rechts monogrammiert; rückseitig signiert, datiert und bezeichnet Maloja
- Öl auf Leinwand
- 63 x 75,5 cm
Provenance
Galerie am Stadelhofen, Zürich (Nachlass Giovanni Giacometti)
Exhibited
Literature
Elisabeth Esther Köhler, Giovanni Giacometti 1868-1933, Leben und Werk, mit Werkverzeichnis, Zürich 1969, Nr. 411
Paul Müller / Viola Radlach, Giovanni Giacometti, 1868-1933, Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1997, Band II, Nr. 1930.17, abgebildet
Catalogue Note
Giovanni Giacomettis Jahrzehnte langen künstlerischen Recherchen und Erfahrungen in der Widergabe von Naturimpressionen haben in dieser Winteransicht des Engadins ihren unverkennbaren Niederschlag gefunden. Mit energetischer Pinselführung und ohne sich im Detail zu verlieren wirft der Bergeller Maler die Szenerie auf die Leinwand. Kraftvolle Konturen in Rostrot, Grün und Eisblau setzen schematisch die topografischen Gegebenheiten ins Bild, schnell und sicher gesetzte breite Farbstriche lassen die tief verschneiten Hänge, die Verwehungen und den Wolken verhangenen Himmel plastisch vor das Auge des Betrachters treten. Wenngleich das angedeutete Dorf dem Ortskundigen eine genaue Lokalisierung des Sujets erlaubt, liegt Giacomettis Interesse nicht im Dokumentarischen sondern im Atmosphärischen, das er mittels changierender Farbtemperatur sowie durch das schroffe Aufeinandertreffen von hiebartig gesetzten Linien und weich anmutenden Volumen in seinem Landschaftsporträt suggeriert. Dieses Spätwerk des Koloristen Giovanni Giacometti macht deutlich, wie er – ohne Anbindung an die internationale Avantgarde – seine Malerei einer zunehmenden Abstrahierung unterzieht und die gegenständliche Vorlage stellenweise zu Gunsten eines befreiten Farbeinsatzes und einer spannungsvollen Flächenmontage in den Hintergrund treten lässt. Zurück zur dinglichen Realität lenkt er unser Augenmerk indes mit einem künstlerischen ‚Augenzwinkern', indem er uns anhand der Spuren im Vordergrund aufzeigt, dass er den Anstieg zum erhöhten Standort unter einiger Anstrengung auf den Skiern zurückgelegt hat.