Lot 40
  • 40

Ferdinand Hodler 1853-1918

Estimate
700,000 - 900,000 CHF
bidding is closed

Description

  • Ferdinand Hodler
  • FRAUENFIGUR ZU 'BLICK IN DIE UNENDLICHKEIT' FEMALE FIGURE FOR 'GLANCE INTO INFINITY'
  • Öl auf Leinwand
  • 121,5 x 60 cm

Provenance

Galerie Klopfer, Zürich (1988)

Privatbesitz, Schweiz

Literature

Carl Albert Loosli, Generalkatalog, in: Carl Albert Loosli, Ferdinand Hodler, Leben, Werk und Nachlass, Bern 1921-24, Nr. 659 oder Nr. 661 oder Nr. 662 oder Nr. 663

Catalogue Note

Gemalt um 1915/16.

1910 erhielt Hodler von der Zürcher Kunstgesellschaft den Auftrag, für das Treppenhaus des neu erbauten Zürcher Kunsthauses ein Wandbild zu schaffen. Diese anspruchsvolle Aufgabe beschäftigte den Künstler während rund sechs Jahren und führte mit dem Reigen von fünf Frauenfiguren zum krönenden Abschluss seiner grossen symbolistischen Zyklen. Die komplexe Entstehungsgeschichte, vielfältig verwoben mit den Vorarbeiten zum nicht ausgeführten Wandbild Floraison, brachte zahlreiche Skizzen und Studien hervor, angefangen von den Ideen- und Kompositionsskizzen in den Carnet, über 200 im Zürcher Kunsthaus aufbewahrten Zeichnungen und den rund 90 Ölstudien. Das Haltungsmotiv der vorliegenden Einzelfigurstudie weicht sowohl von den beiden Riesenformaten im Kunsthaus Zürich bzw. im Kunstmuseum Basel wie auch von den etwas kleineren Fassungen in den Museen von Solothurn und Winterthur sowie in Privatbesitz ab: Während hier Arme und Hände vom Körper abgesetzt sind und auf diese Weise die Frauen miteinander in Kontakt treten, weist die hier vorgestellte Einzelfigur einen geschlossenen Umriss auf, der durch den geneigten Kopf sowie durch die betonte Unterscheidung von Stand- und Spielbein belebt ist. Spannung im durch Blumen besetzten Bildraum erzeugt auch die leicht aus der Bildmitte gerückte Position der Gestalt. Typ und Haltung des Kopfes entsprechen bei den monumentalen Fassungen der zweiten Figur von links, für die Phylomène Charles Modell stand. Die Züge im eiförmigen Gesicht der vorliegenden Fassung sind indes nur angelegt, womit dieses eine erstaunliche Analogie zu Masken aussereuropäischer Kulturen erhält.

Wir danken Paul Müller, lic. phil., Projektleiter catalogue raisonné Ferdinand Hodler, vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, für den Textbeitrag.