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Ferdinand Hodler
1853-1918
DER SCHWINGER (LE PATRE LUTTEUR) THE WRESTLING HERDSMAN
Estimate
200,000300,000
LOT SOLD. 378,400 CHF
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Ferdinand Hodler
1853-1918
DER SCHWINGER (LE PATRE LUTTEUR) THE WRESTLING HERDSMAN
Estimate
200,000300,000
LOT SOLD. 378,400 CHF
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Details & Cataloguing

Swiss Art

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Zurich

Ferdinand Hodler
1853-1918
1853 - 1918
DER SCHWINGER (LE PATRE LUTTEUR) THE WRESTLING HERDSMAN

Dieses Werk wird in den vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, herausgegebenen Oeuvrekatalog Ferdinand Hodler aufgenommen.

Dieses Gemälde ist im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, unter der Archiv-Nummer 8731 inventarisiert.


Unten rechts signiert
Öl auf Leinwand
320 x 107cm
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Provenance

Fritz Meyer-Fierz, Zürich (nachgewiesen 1917)

Franz Meyer (nachgewiesen bis 1971)

Privatbesitz, Zürich.  

Exhibited

Cincinnati, Cincinnati Art Museum / New York, National Academy of Design / Toronto, Art Gallery of Ontario / Hartford, Wadsworth Atheneum, Ferdinand Hodler, Views  & Visions, 1994/1995, Nr. 18

Literature

Jura Brüschweiler, Hodler, Ausstellungskatalog der Fondation Pierre Gianadda, Martigny 1991, S. 188, Abb. 45 (Werk nicht ausgestellt) 

Sharon Hirsh, Hodler as Genevois, Hodler as Swiss, in: Ferdinand Hodler, Views & Visions, Cinncinnati 1994, S. 87, S. 126, ganzseitig (in Farbe)

Oskar Bätschmann, Ferdinand Hodlers Dekorationen für den Palais des Beaux-Arts an der Landesausstellung 1896 in Genf, in: Kunst + Achitektur in der Schweiz, Heft 53, 2002, S. 17

Catalogue Note

Gemalt 1895.

Das Gemälde Der Schwinger ist als Teil der Ausschmückung des Palais des Beaux-Arts der Schweizerischen Landesausstellung in Genf von 1896 entstanden. Im März 1895 wurde ein Wettbewerb zur Dekoration der Pfeiler an den seitlichen Flügeln des Kunstpalastes ausgeschrieben. Es war vorgesehen, 44 Pfeiler mit Figuren («Suisses ou Suissesses portant le costume des différents cantons») in der Grösse von 3,2 m zu bemalen. Von den drei Künstlern, die sich bewarben – Ferdinand Hodler, sein Malerfreund Daniel Ihly und Alexander Soldenhoff – erhielten die beiden ersten den Auftrag, etwa gleich viele Panneaux zu malen. Erwähnenswert ist, dass nach dem Skandal um das Gemälde Die Nacht in Genf und seine erfolgreiche Präsentation des Gemäldes in Paris der Künstler in seiner Wahlheimat ein gewisses Ansehen genoss, das ihm erlaubte, gegenüber seinem Malerkollegen Daniel Ihly, der nur 80 Franken pro Pfeilerbild erhielt, einen Preis von 120 Franken durchzusetzen.  

            In der Rekordzeit von vier Monaten schuf Hodler 26 monumentale Figuren, die von den Organisatoren der Ausstellung jedoch teilweise abgelehnt wurden. Die Beanstandungen des Zentralkomitees, das bei einigen Figuren lächerliche Nachbesserungen verlangte, ist aus heutiger Sicht nicht Resultat mangelnder Qualität von Hodlers Arbeiten, sondern zeugt von von fehlendem Kunstverstand der Auftraggeber, welche die auf Fernwirkung bedachte Malweise nicht verstand. In einem Brief vom 27. Oktober 1895 an seinen Mäzen Büzberger berichtete Hodler vom Fortgang seiner Arbeit:

«Ich war einige Zeit von Genf abwesend und als ich mich wieder hier einfand, machte ich mich an die Arbeit der dekorativen Figuren, die für den Palais des Beaux-Arts der Landesausstellung bestimmt sind. Zwei Drittel davon sind gemalt, ich mache rasch. Die Figuren sind so ausgeführt, dass dieselben auf grössere Distanz sichtbar sind, kontouriert, abgegrenzt. Noch markantere Typen [als in Genf] hatte ich als Modelle, im Berner Oberland, überhaupt in der Deutschen Schweiz gefunden; ich habe letzten Sommer Prachtgestalten gesehen.»

Sämtliche gemalten Repräsentaten der Schweizer Kantone waren entgegen den Wettbewerbsbedingungen männlichen Geschlechts: Zwanzig Landsknechte in historischen Trachten, fünf Handwerker und Bauern und einen Hirten vor tiefem Horizont, wodurch die verschiedenen Posen der Dargestellten wirkungsvoll zur Geltung gebracht wurden.

Das hier vorgestellte Gemälde mit der überlebensgrossen Figur wurde laut Beschriftung zweier Skizzen als Repräsentant des Kantons Bern bzw. von Appenzell vorgesehen. Es zeigt, wie der ursprüngliche französische Titel «Pâtre lutteur» besagt, einen Hirten als Schwinger in offenem Wams mit entblösster Brust. Die Figur präsentiert sich in ruhiger frontaler Haltung auf einer blumenübersäten Wiese vor blauem Himmel. Einzig der entschlossene Gesichtsausdruck und die vom Körper leicht abgesetzten nackten Arme mit den geöffneten Händen, die  kraftvolles Zupacken evozieren, deuten die Anspannung vor dem bäuerlichen Sportkampf an.

Ungeschönte Figuren wie diese mit einer urtümlichen männlichen Präsenz waren es, die in der zeitgenössischen Kunstkritik das Loblied auf eine neue nationale Kunst anstimmten.

Die trotz engem Bildformat erstaunliche Vielfalt der Posen der Figuren bereiteten für Hodler das Terrain vor für das ebenfalls auf Fernwirkung angelegte anspruchsvolle Fresko mit dem Rückzug der Eidgenossen aus Marignano im Schweizerischen Landesmuseum. 

 

Wir danken Paul Müller, lic. phil., Projektleiter Oeuvrekatalog Ferdinand Hodler, vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, für den Textbeitrag.  

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