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AUS EINER BEDEUTENDEN SCHWEIZER PRIVATSAMMLUNG

Ferdinand Hodler
BILDNIS VALENTINE GODÉ-DAREL
Schätzung
800.0001.200.000
Los Verkauft 845,000 CHF (Hammerpreis mit Käuferprovision)
ZU LOS SPRINGEN
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AUS EINER BEDEUTENDEN SCHWEIZER PRIVATSAMMLUNG

Ferdinand Hodler
BILDNIS VALENTINE GODÉ-DAREL
Schätzung
800.0001.200.000
Los Verkauft 845,000 CHF (Hammerpreis mit Käuferprovision)
ZU LOS SPRINGEN

Schweizer Kunst / Swiss Art

|
Zurich

Ferdinand Hodler
1853 - 1918
BILDNIS VALENTINE GODÉ-DAREL

Provenienz

Moderne Galerie Heinrich Thannhauser, München (1911)
vermutlich Ernst Zahn (1867-1952), Meggen
Willi Zahn
August Laube & Sohn, Zürich (1971)
Privatbesitz, Schweiz (seit 1973)

Ausgestellt

evtl. München, Moderne Galerie Heinrich Thannhauser, Kollektiv-Ausstellung Ferd. Hodler. Ca. 100 Werke aus den Jahren 1872-1911, 1911, Nr. 72 (Frauenkopf, 1910)
Zürich/Bern, Kunsthaus/Kunstmuseum, Ein Maler vor Liebe und Tod. Ferdinand Hodler und Valentine Godé-Darel. Ein Werkzyklus 1908-1915, 1976/1977, Nr. 27 (Bildnis Valentine Godé-Darel mit Federhut, 1909/1910)
Hamburg, Kunsthalle, Der zerbrochene Kopf. Picasso zum 100. Geburtstag, 1981/1982
Berlin/Paris/Zürich, Nationalgalerie/Musée du Petit Palais/Kunsthaus, Ferdinand Hodler, 1983, Nr. 114, 479

Literatur

Jura Brüschweiler, Ein Maler vor Liebe und Tod. Ferdinand Hodler und Valentine Godé-Darel. Ein Werkzyklus 1908-1915, Ausstellungskatalog, Kunsthaus/Kunstmuseum, Zürich/Bern 1976/1977, S. 14, 16, 57, abgebildet (in Farbe) (Bildnis Valentine Godé-Darel mit Federhut, 1909)
Jura Brüschweiler, "Ferdinand Hodler (Bern 1853-Genf 1918). Chronogische Übersicht: Biographie, Werk, Rezensionen", in: Ferdinand Hodler, Ausstellungskatalog, Nationalgalerie/Musée du Petit Palais/Kunsthaus, Berlin/Paris/Zürich 1983, S. 43-170, S.145
Jura Brüschweiler, Ferdinand Hodler als Schüler von Ferdinand Sommer, hrsg. Kunstkommission Steffisburg, Ausstellungskatalog, Kunstsammlung Steffisburg/ Museo civico di belle arti/Fondation Pierre Gianadda, Steffisburg/Lugano/Martigny 1983/84, S. 105, 113, 162, abgebildet (Pariserin mit Federhut (Valentine Godé-Darel))
Oskar Bätschmann, "Hodler, Maler", in: Ferdinand Hodler. Sammlung Max Schmidheiny, Ausstellungskatalog, Kunstmuseum des Kantons Thurgau/Kartause Ittingen, Zürich 1989/90, S. 9-28, S. 14, abgebildet (1909/10)
Angelika Affentranger-Kirchrath, "Die Frage nach dem Menschen. Porträtmalerei um 1900 am Beispiel Ferdinand Hodlers und Edvard Munchs", in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 51 (1994), Heft 4, S. 295-308, S. 301
Oskar Bätschmann, "Ferdinand Hodler the painter", in: Ferdinand Hodler. Views & Visions, hrsg. Juerg Albert und Peter Fischer, Ausstellungskatalog, Cincinnati Art Museum/Wadsworth Atheneum, Zürich/Washington 1994, S. 26-65, S. 35-36, abgebildet (Portrait of Valentine Godé-Darel), 1909/10)
Oskar Bätschmann, "Ferdinand Hodler: style et expression", in: Ferdinand Hodler, Ausstellungskatalog, Musée d'Orsay, Paris 2007, S. 148-161, S. 156, 157, abgebildet (Portrait de Valentine Godé-Darel au chapeau à plume)
Kunsthalle Hamburg, Der zerbrochene Kopf. Picasso zum 100. Geburtstag, Ausstellungskatalog, Hamburg 1981/1982, S. 96, 97
Neue Galerie/Fondation Beyeler, Ferdinand Hodler, View to Infinity, Ausstellungskatalog, New York/Riehen/Ostfildern 2012, S. 45, abgebildet (in Farbe)
Oskar Bätschmann/Paul Müller, Ferdinand Hodler, Catalogue raisonné der Gemälde, Die Bildnisse, Bd. 2, Zürich 2012, S. 217, Nr. 833, S. 219, abgebildet (in Farbe)

Katalognotizen

Die porträtierte Valetine Godé-Darel wurde am 10. Oktober 1873 als zweite Tochter von Pauline Godé-Magin und Professor Théodore François Godé in Paris geboren. Sie besuchte eine Schauspielschule und liess sich zur Porzellanmalerin ausbilden. Nach ihrer Scheidung von G. A. Darel, Professor an der Sorbonne, zog sie im März 1908 nach Genf, wo sie im gleichen Jahr die Bekanntschaft mit Ferdinand Hodler machte. Der Künstler fertigte von Valentine mehrere Bildnisse sowie einen Bronzekopf an, die sein Biograph Carl Albert Loosli im Generalkatalog unter "Darel" respektive "Französischer Frauenkopf" verzeichnete. Als Valentine 1913 schwer erkrankte, hielt Hodler das Leiden und Sterben seiner Freundin und Mutter der gemeinsamen Tochter Paulette bis zu ihrem Tod am 25. Januar 1915 in mehreren Gemälden und Studien fest. Das vorliegende "Bildnis Valentine Godé-Darel" gehört in die Reihe der Porträts, die Ferdinand Hodler im Jahr 1909 von seiner Geliebten malte. Eine Variante des Bildnisses war im Jahr 1918 in der Galerie Moos in Genf unter dem Titel "La Parisienne", in Anspielung auf Valentines Herkunft, ausgestellt.[1] Zur Bedeutung des Kopfes für die Bildnismalerei äusserte sich Hodler gegenüber Loosli: "Der Kopf ist der dominante Bereich jedes Porträts, auf den sich das ganze Interesse konzentriert. Das Ganze, das durch die Gesichtszüge geformt wird, ist das, was am ausdrucksvollsten ist; es ist die Wirkung des Ganzen, die den Betrachter fesselt, beeindruckt [...]"[2].Valentines Kopfwendung über die linke Schulter geht auf einen Bildtypus zurück, den Hodler 1891 in seinem "Selbstbildnis (von Paris)", erprobt hatte.[3] Die Kopfdrehung vermittelt den Eindruck einer spontanen Bewegung, mit der sich der Künstler auch in Studien zur Figurendarstellung "Linienherrlichkeit (1908/1909)", für die Valentine Modell stand, eingehend beschäftigte. Wie Fotografien von Camille Ruf belegen, trug Valentine mit Vorliebe Hüte mit langem Schleier, den Hodler auf dem Bildnis mit wenigen Pinselstrichen und feinen Bleistiftlinien, die auf dem weissen Grund schwach zu erkennen sind, ausführte. Der Kontrast zwischen hellem Grund und farbigem Porträt ist charakteristisch für Hodlers Bildnismalerei nach 1890, als der Künstler sein Schema des Hell-Dunkel-Porträtierens endgültig abgelegt hatte.

Wir danken Dr. Monika Brunner, Autorin Catalogue raisonné der Gemälde Ferdinand Hodlers, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA, für den Textbeitrag.

[1] CR Kat. 831.

[2] C[arl] A[lbert] Loosli, Leben, Werk und Nachlass, Bd. 4, Urkunden. Bern: Suter, 1924, S. 281.

[3] Ferdinand Hodler, Selbstbildnis (von Paris), Öl auf Holz, 29 x 23 cm, Musée d’art et d’histoire, Genf, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, vgl. CR Kat.778.

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